Offener Brief an den Kirchenkreis Hamburg-Ost

Sehr geehrte Pröpstin Lübbers,

 

mit großer Bestürzung haben wir als Lottbeker Anwohner leider erst Ende Mai von dem, laut kircheninternen Aussagen, unvermeidbaren Abriss der Kirchengebäude An der Lottbek 22 in Ammersbek erfahren. Sicherlich gab es mit dem Forum "Lotte" mehrfache offene Treffen zur INHALTLICHEN Zukunft der Gemeindearbeit der Kirchengemeinde Hoisbüttel. NICHT jedoch wurde mit der Nachbarschaft konstruktiv über alternative Möglichkeiten der Finanzierung zum Standorterhalt bzw. bauliche Überlegungen diskutiert, nachdem der Kirchenkreis Hamburg-Ost durch die C-Kategorisierung den Geldhahn zugedreht hat.

Wenn man konkrete Details zur baulichen Neugestaltung des Kirchengeländes erst aus der Zeitung erfährt, kann man dies mit tiefster Enttäuschung und einer gehörigen Portion Unmut nicht anders nennen, als vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Da wir dies NICHT akzeptieren, haben wir die Bürgerinitiative Lottbeker IGEL (www.lottbeker-IGEL.de) gegründet.

In der sehr gut besuchten, öffentlichen Veranstaltung in den Gemeinderäumen am 07.06.2017 zur Vorstellung des Bebauungskonzeptes gab es nicht eine Person im Saal, die sich nicht wünschen würde, alles könne so bleiben wie es ist!

Wir fordern den Kirchenkreis Hamburg-Ost daher als Finanzverantwortlichen auf mit uns Bürgern, der Kirchengemeinde Hoisbüttel und der Gemeinde Ammersbek in einen konstruktiven Dialog zu treten! Primäres Ziel sollte hierbei der Erhalt des Status quo sein. Sollte sich nach Offenlegung aller erforderlichen Fakten wie z.B. konkrete Zahlen zum monatlichen Finanzbedarf, vorhandene Rückstellungen der letzten Jahrzehnte zum Gebäudeerhalt etc. und Prüfung alternativer Finanzierungsmöglichkeiten in einem für alle Beteiligten TRANSPARENTEN Verfahren tatsächlich zeigen, dass ein kompletter oder teilweiser Gebäudeerhalt auf keinen Fall möglich ist, so möchten wir an der baulichen Neugestaltung voll umfänglich beteiligt werden.

Selbstverständlich wissen wir, dass die Kirche als "Privatperson" keinerlei juristische Verpflichtungen hat, die zur Gesamtbeurteilung der Situation erforderlichen monetären Zahlen offen zu legen. Genauso ist uns bewusst, dass Sie schlichtweg Ihren Nachbarn fragen können, falls dieser zufälligerweise ein Bauinvestor ist, ob er nicht für Sie bauen möchte und nicht, wie eine Kommune, an öffentliche, streng neutrale Vergaben gebunden sind. 

Dennoch haben Sie als Vertreterin des Kirchenkreises Hamburg-Ost bei solch immensem öffentlichen Interesse eine MORALISCHE Verpflichtung!

Um es einmal ketzerisch zu formulieren: 

Wie kann es sein, dass der Kirchenkreis die Kirchengemeinde Hoisbüttel am langen Arm verhungern lässt?

Wie können Sie es mit Ihrem christlichen Glauben vereinbaren, dass hier schlichtweg Erpressung stattfindet?

"Lieber Bürger, akzeptiere eine Bebauung, die die Jahrzehnte lang gewachsene räumliche Harmonie der Straße und die Natur am Bachlauf der Lottbek zerstört oder die Kirche ist weg!"

"Liebe Gemeinde Ammersbek, triff eine Gefälligkeitsentscheidung und ändere uns den bestehenden Bebauungsplan nur für unser Grundstück, so wie es der Investor braucht oder die Kirche ist weg!"

Wir alle wollen, dass die Kirche bleibt und Pastor Weisswange seine Gemeindearbeit fortsetzen kann!

Daher fordern wir Sie wie oben aufgeführt zu einem konstruktiven Dialog auf.

Es kann nicht im kirchlichen Interesse sein, ein neues Quartierszentrum unter derart erpresserischen Vorraussetzungen zu errichten. Glauben Sie, die Lottbeker Bürger werden dieses Zentrum dann unbeschwert und mit Freude besuchen?

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Dr. Nicole Stehn

Stellvertretend für die Bürgerinitiative Lottbeker IGEL

 

PS: Da es sich um einen offenen Brief handelt, werden wir diesen auf unserer Homepage veröffentlichen. Ich fordere Sie zu einer Stellungnahme auf. Ihre Antwort werden wir dann ebenfalls auf unserer Homepage veröffentlichen.


Das denkt der IGEL: Die Reaktion auf unseren Brief.

Wir haben uns wirklich sehr über die schnelle Reaktion und das Angebot zum persönlichen Dialog gefreut. Es wird einen persönlichen Termin mit Pröpstin Isa Lübbers, Pastor Weisswange, zwei weiteren Vertretern der Kirche und Vertretern des IGELs zur Erörterung alternativer Finanzierungsmöglichkeiten und Konzepte zum Standorterhalt der Gemeindearbeit geben. Wir hoffen sehr auf konstruktive Gespräche.